Am vergangenen Dienstag war es endlich soweit. Bis auf den letzten Platz war der Cypress Ballroom im Orlando World Center Marriott mit Teilnehmern der BlackBerry World 2012 gefüllt. Der erste große Auftritt von Thorsten Heins, CEO Research In Motion, stand auf dem Programm und man konnte die spannungsgeladene Luft förmlich riechen.
Pünktlich wie die Maurer kündigte der Sprecher (er erinnert mich immer ein wenig an den Entertainer Michael Buffer) den deutschstämmigen Chef des kanadischen Solution Partners mit folgenden Worten an:
“Ladies and Gentleman please welcome President and CEO Research In Motion Thorsten Heins.”
Hier trat dann gleich meine erste Ernüchterung ein. Ich habe noch keine Keynote auf der BlackBerry World erlebt, bei der das Publikum in ausgelassene Raserei geraten ist, aber bei Betritt der Bühne vom Thor hätte ich wirklich eine Standing Ovation erwartet. Sicherlich werden sich jetzt einige Leser fragen warum, wobei die Antwort ganz einfach ist. Was dieser Mann in den letzten Monaten geleistet hat, dazu gehört eine Menge Erfahrung, Mut und Menschenkenntnis. Einige durften in seiner kurzen Amtszeit bereits die Koffer packen, viele Mitarbeiter ackern wie blöde und investieren momentan mehr Zeit in RIM als in die eigene Familie und alle haben nur ein Ziel vor Augen: RIM dahin zu katapultieren wo sie hingehören. Um diese Menschen immer wieder aufs Neue zu motivieren bedarf es einer starken Führungskraft. Mit Thorsten Heins scheint man die richtige Gallionsfigur gefunden zu haben und hier hätte aus Respekt die Bude kochen müssen. Aber ok, wahrscheinlich ticken wir BlackBerry Nutzer einfach anders als manch andere Anhänger diverser Hersteller von mobilen Devices.
Standesgemäß begrüßte Heins die über 5000 Teilnehmer aus 150 Ländern und wies einige Male darauf hin, wies sehr er an die Zukunft von Research In Motion und seine Mitarbeiter glaubt und wie wichtig jeder einzelne Kunde für das kanadische Unternehmen ist.
So langsam bekam ich Hummeln im Hintern und fragte mich, wann denn nun der CEO die Büchse der Pandora öffnet und uns den ersten Knaller präsentiert. Das Alpha Device hatten wir ja bereits am Vortag der Veranstaltung gesehen und seit über 15 Stunden stellte ich mir die Frage was da denn nun kommen mag.
Irgendwann war es dann endlich soweit und Thorsten bat Vivek Bhardwaj, Head of Software Portfolio, auf die Bühne. Endlich ging die Lutzi ab. Mit dem neuen BB 10 wird der klassische Taskmanager sein Dasein verlieren. Zwischen den einzelnen Anwendungen kann man zukünftig mit einem “Flow” switchen. Mit einem Fingerwisch wechselt man elegant durch die Applikationen. Endlich ging ein erstes Raunen und einige Jubelrufe durch den Saal.
Die Kanadier sind dafür bekannt, dass sie in ihren Smartphones die weltbesten physikalischen Tastaturen verbauen. Warum also soll das erste BB 10 Touch Device nicht auch die weltbeste virtuelle Tastatur bekommen? Mit dem neu entwickelten Keyboard wird das einhändige Schreiben auf dem Smartphone noch einfacher. Vorgeschlagene Wörter lassen sich mit einem Swype ganz easy im Texteditor positionieren.
Wer bist jetzt aufgepasst hat, dem wird schnell klar, dass das Smartphone der nächsten Generation sich nahezu einhändig bedienen lässt. In der heutigen Zeit ein nicht zu unterschätzendes und wichtiges Merkmal für ein High End Smartphone.
Dann läutete Thorsten Heins mit dem Satz “Never miss a magic moment.” zur nächsten Runde ein. Die neue Kamera Funktion bietet eine völlig neue Möglichkeit um das perfekte Bild aufzunehmen. Ich selber bin so ein Kandidat, der bei Fotoaufnahmen den Eindruck hinterlässt, als würde er gerade auf dem stillen Örtchen sitzen. Die neue Aufnahmefunktion nimmt einige Sekunden vor und nach dem eigentlichen Bild auf und im Anschluss lässt sich der perfekte Moment softwareseitig auswählen.
Jetzt machte sich endgültig Begeisterung im Saal bemerkbar. Thorsten Heins viel der sichtbare Druck von den Schultern und die Freude über die Resonanz treib ihn zum Lächeln.
Jetzt kommen wir zur finalen Frage: Hat RIM hier genügend News zum neuen OS geliefert um Analysten, Anleger und Teilnehmer zu überzeugen? Mich hat es auf jeden Fall überzeugt. Obwohl mir bekannt war, dass mehr Funktionen des neuen OS bereits fertiggestellt sind, war ich mit der Portionierung des Gelieferten völlig zufrieden. Bei mir haben die einzelnen Präsentation der neuen Features die Vorfreude auf das neue OS gesteigert. Nach wie vor ist meine persönliche Meinung nicht repräsentativ, denn in den folgenden Tagen erlebte die RIM Aktie einen weiteren drastischen Kursverfall.
Es gibt halt nur zwei Möglichkeiten um die Neugier für ein neues Produkt zu wecken. Entweder ich befeure die Masse gleich zu Beginn mit allem was ich habe und dann kommt nichts mehr, oder aber ich gebe nach und nach in wohldosierten Abständen immer neue Features bekannt. Mir persönlich gefällt die letzte Variante besser. Was die Teilnehmer zum Gezeigten sagten seht ihr im folgenden Video (Gruß an Banthon):
Ach ja, da fällt mir noch was ein. Während einer BlackBerry JAM Session wurde versehentlich kurz das User Interface des neuen BlackBerry Messenger gezeigt. Der Teilnehmer meinte er wäre beinahe vom Stuhl gefallen, so genial muss es ausgesehen haben.
In diesem Sinne verabschiede ich mich mit den Worten von Thorsten Heins bis morgen: “Let`s Rock`n Roll this.” Dann werde ich hier über meine persönliche Einschätzung zu BlackBerry 10 berichten.
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